Frauen als Privateigentum des Mannes
In der Türkei führen Frauen ein Leben zwischen Tradition und Moderne
Ein Bericht von Daniela Haußmann
Pinar hat die Zeit verloren. Die 20-Jährige hat aufgehört die Tage und Monate zu zählen seit sie getrennt von ihrer Familie lebt. Ihre Augen wandern umher. Suchen ihren Weg entlang des Asphaltes vorbei an Straßenkreuzen, Fassaden, Mauern und Hinterhöfen. Ihren richtigen Namen will sie nicht verraten, zu groß ist die Angst, dass ihr jene Geschichte die sie zu erzählen hat zum Verhängnis wird. Seit jene Bande zerrissen, die sie zu einem Teil ihrer Familie machten, muss die junge Türkin befürchten das Opfer eines Mordes aus Ehre zu werden. Mit 18 wurde sie verheiratet. „Gegen meinen Willen“, wie sie sagt. Die Widerworte, die sie ihrem Vater gab, verhallten ungehört. Unglücklich beugte sich die junge Frau dem Druck der auf ihr lastete. Kurz war die Zeit die sie mit ihrem Ehemann verbrachte. „Ich fühlte mich, als hätte ich meinen Körper gegen Geld verkauft“, gewährt sie Einblick in das was als zwangsverheiratete Frau in ihr vorging.
Wie Pinar geht es vielen ihrer Geschlechtsgenossinnen in der Türkei. "Rund 40 Prozent der Frauen werden zwangsweise verheiratet, 71,6 Prozent werden Opfer häuslicher Gewalt", so Menschenrechtsanwältin Hülya Gülbahar.
(Gesamter Bericht inklusive Bildmaterial auf Anfrage)
Geleugnete Geschichte
90 Jahre nach dem Völkermord an ihren Vorfahren fühlen sich die Armenier in der Türkei noch immer ausgegrenzt
Ein Bericht von Daniela Haußmann
Die Wände flüstern. Worte, gesprochen in einer fremden Sprache, dringen im Widerhall zu Ohren. Reihe für Reihe haben Gläubige sich zum Gebet versammelt. Hier und da werfen sie sich nieder, breiten die Hände zur Fürbitte aus. Myrrhe, Lorbeer, Zistrose, Galbanum und Styrax erfüllen den Andachtsraum. Stumm in Gedanken versunken hat Midir auf einer hölzernen Bank Platz genommen. Der 36-Jährige ist Armenier. Einer von 80.000 die in Istanbul, dem Konstantinopel der Byzantiner und Osmanen, leben.
Die Geschichte der christlichen Armenier in der Türkei reicht zurück bis ins sechste Jahrhundert. Die einst kulturell und wirtschaftlich bedeutende Gemeinde führt in der Stadt am Goldenen Horn heute ein Schattendasein. Krieg, Vertreibung und Massaker haben sich in ihr kollektives Gedächtnis eingegraben und bestimmen noch immer das politische Verhalten. Auch Hrant Dink gehörte zu den türkischen Staatsbürgern mit armenischen Wurzeln in Istanbul. Am 19. Januar 2007 wurde der prominente Journalist, der sich immer wieder für die Versöhnung von Armeniern und Türken und die Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte einsetze, in Istanbul mit drei Schüssen in Kopf und Genick getötet. Derzeit läuft der Prozess gegen seinen mutmaßlichen Mörder, den 17-jährigen Ogün Samast sowie gegen 17 weitere Hintermänner aus dem Lager türkischer Ultra-Nationalisten.
(Gesamter Bericht inklusive Bildmaterial auf Anfrage)
Istanbul - Straßenkino der Gegensätze
Eurasiens Metropole Istanbul ist als einzige Stadt der Welt auf zwei Kontinenten gebaut. Wo Orient und Okzident aufeinandertreffen verbinden sich Lebenskulturen aus Ost und West und machen jede Reise zum transkontinentalen Erlebnis.
Ein Essay von Daniela Haußmann
Beinahe endlos zieht sich das Wasser am Horizont dahin. Leise waschen die Wogen an den kontinentalen Ufern die Steine blank. Hölzerne Boote wiegen sich im Auf und Ab der Wellen. Fischer bringen im Schein der Abendsonne, begleitet vom Rattern der Schiffsmotoren, ihre Netze aus. Diesel liegt in der Luft und verliert sich ganz allmählich, getragen von einer sanften Brise über jener Meeresenge die Istanbul in zwei Hälften trennt, dem Bosporus. Aidan hat sich weit nach vorn gebeugt. Meter um Meter läuft das Netz durch seine Hände. Beschwert durch eiserne Gewichte sinkt es auf den Grund jener Wasserstraße, die das Schwarze Meer mit dem Marmarameer verbindet. Auf blanken Sohlen bewegt sich der 20-Jährige sicheren Schritts über das nasse Deck. Eilig greift er sich ein zweites Netz, das in den Wellen rasch zur Tiefe sinkt.
(Gesamter Essay inklusive Bildmaterial auf Anfrage)
Fernstraße M29 - 1 200 Kilometer durch den Krieg
Unterwegs im Nordkaukasus: Geschichten über das Trauma einer Region
Ein Bericht von Daniela Haußmann
Entlang der M29, jener Fernstraße die sich über 1 200 Kilometer, ausgehend vom südrussischen Rostow am Don durch die nordkaukasischen Republiken Kabardino-Balkarien, Nordossetien, Inguschetien, Tschetschenien und Dagestan zieht, hat jeder eine Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte, die stellvertretend für die Verweiflung, Bitterkeit und das Trauma einer ganzen Region steht. An der M29 werden Lebenslinien zusammengeführt und das Zusammenspiel von Ursache und Wirkung in einem Konflikt sichtbar, der sich seit 1992 vor den Augen der Öffentlichkeit Bahn bricht.
(Gesamte Reportage inklusive Bildmaterial auf Anfrage)
Die verlorenen Söhne
Russische Soldatenmütter kämpfen gegen eine Mauer des Schweigens im Militärapparat
Eine Reportage von Daniela Haußmann
Zwischen dem 1. April und 30. Juni werden in Russland 133 500 Männer zum Militärdienst eingezogen. Rund 25 Prozent aller Wehrpflichtigen wurden während der Kriege im Anschluss an ihre Grundausbildung nach Tschetschenien geschickt. Das Komitee der Soldatenmütter hilft Eltern, ihre nach der Rekrutierung verschollenen Söhne wieder zu finden. Ein Besuch in Rostow.
Julia Nowikowa bahnt sich mit schnellen Schritten ihren Weg durch die Passanten. Pfützen, in denen sich das Regenwasser gesammelt hat, spiegeln ihr Gesicht wieder. Die 47-jährige Russin hat eine Geschichte zu erzählen, die stellvertretend für all die Menschenopfer steht, die der Süden Russlands fordert. 2003 hat sie im zweiten Tschetschenienkrieg ihren Sohn verloren. Bis zum heutigen Tag ist sie auf der Suche nach seinem Leichnam, den sie hofft, eines Tages beerdigen zu können.
An zwei Männern mit Uniform vorbei betritt Nowikowa ein unscheinbares Haus im Zentrum der südrussischen Stadt Rostow. Zu jenen Uniformierten hat auch einmal ihr Sohn gehört. „Mein einziges Kind, und das hat mir der Krieg genommen“, sagt sie mit erstickter Stimme und wischt sich die Tränen aus den Augen. „Erst hatten ihn die älteren Rekruten und die Offiziere in der Ausbildung drangsaliert, und dann musste er für ein Land sterben, das seine Kinder mit Füßen tritt.“
(Gesamte Reportage inklusive Bildmaterial auf Anfrage)
Der Krieg hinterließ für jeden Menschen eine Mine
Tschetschenische Gewaltopfer werden in Nordossetien medizinisch versorgt
Ein Bericht von Daniela Haußmann
Im Prothesenzentrum in Wladikawkas werden die Opfer des Krieges und seiner Hinterlassenschaften mit künstlichen Gliedmaßen versorgt. Rund 10 000 Kindern haben Minen Arme und Beine geraubt. Für die Menschen im nördlichen Kaukasus ist damit das Leben zu einer Bewährungsprobe geworden.
(Gesamte Reportage inklusive Bildmaterial auf Anfrage)
Der erste Trinkspruch gilt den Toten
In Beslan gibt es auch zwei Jahre nach der Tragödie kein Vergessen
Ein Bericht von Daniela Haußmann
Der Konflikt zwischen Moskau und Tschetschenien hat längst seine Entgrenzung gefunden und die nordkaukasischen Republiken erreicht. Versuche der russischen Regierung mit Waffengewalt eine Lösung herbeizuführen sind gescheitert. Niedergeschlagenes und unterdrücktes Konfliktpotential flammt stetig von Neuem auf. Der Krieg versetzt jenseits der tschetschenischen Grenzen die Menschen in einen permanenten Ausnahmezustand. Die Ruine der Schule Nummer Eins in Beslan ist ein Mahnmal für all die Opfer, die Russlands Süden verschlingt. Dort wo in Beslan die Straßen einst Menschen miteinander verbanden scheinen zwei Jahre nach dem Geiseldrama die Wege der Verständigung abgeschnitten.
(Gesamte Reportage inklusive Bildmaterial auf Anfrage)
Der Gast bringt das Glück
Eine kleine kaukasische Völkerkunde entlang der Fernstraße M29 von Rostow nach Nazran
Ein Reiseessay von Daniela Haußmann
Unwirklich und schemenhaft tauchen die Gipfel der schneebedeckten kaukasischen Riesen aus dem morgendlichen Wolkenschleier auf. Erhaben glänzt das uralte, steinige Massiv des Kaukasus weithin sichtbar im Sonnenlicht. Adler ziehen ihre Kreise, stürzen entlang der schroffen Kanten hinunter und gleiten über den Wipfeln der Bäume , denen die Steppe folgt, ruhig dahin. Eingerahmt von den Berghäuptern, führt die Fernstraße M29, ausgehend von Rostow am Don über eintausendzweihundert Kilometer quer durch den nördlichen Kaukasus bis nach Dagestan. Entlang ihrer Route liegt eine der ältesten Kulturlandschaften.
(Gesamter Essay inklusive Bildmaterial auf Anfrage)
Russlands unermüdliche Soldatenmütter
Rekruten der russischen Armee haben keine Persönlichkeitsrechte
Ein Bericht von Daniela Haußmann
Trauer tragen die Plakate an der Wand. Übergroß, in roten Lettern, steht auf schwarzem Grund "Tschetschenien" geschrieben. Eine Landkarte, übersät mit Kreuzen berichtet stumm von einer Politik die unzählige Gesichter und Namen trägt. "Wenn du für den Krieg stimmst, dann lege Geld zurück für das Begräbnis deiner Kinder", rät Walentina Melnikowa, Russlands streitbarste Frau im Komitee der Soldatenmütter. Im Kampf für mehr Menschlichkeit innerhalb der russischen Streitkräfte leistet sie Aufklärungsarbeit und hilft Eltern ihre verschollenen Kinder zu finden. Mit mehr als 5 000 toten Rekruten haben es die Soldatenmütter jährlich zu tun, die außerhalb des Kampfeinsatzes ums Leben kommen. Opfer der herrschenden Militärhierarchie.
(Gesamte Reportage inklusive Bildmaterial auf Anfrage)
Wallfahrt in den Wolken
Eine Kirche in den Bergen des Kaukasus ist Schauplatz religiöser und heidnischer Riten
Ein Bericht von Daniela Haußmann
Die Reise durch das jahrtausende alte Felsmassiv des Kaukasus führt in eine fremde Welt, die teilweise so altertümlich ist wie ihr georgischer Name „Sarkatwelo“. Er meint das Land zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer, das im Norden vom Großen und im Süden vom Kleinen Kaukasus eingerahmt wird. Tausende machen sich, in dieser uralten Kulturlandschaft, alljährlich auf zu einer Wallfahrt in das kleine Städtchen Kasbegi, um „Maria Entschlafung“, den höchsten Feiertag der orthodoxen Kirche, zu begehen. Einheimische wie weit Gereiste sammeln sich auf dem Marktplatz für den Marsch hinauf in 2 200 Meter Höhe. Scharenweise klettern sie im Schatten des Kasbek, nach dem Elbrus der zweithöchste Berg des kaukasischen Faltengebirges, hinauf zum Kloster Tsminda-Sameba. Früh morgens taucht die Sonne den 5 000 Meter hohen Giganten in ein glänzendes Licht. Adler kreisen über den Türmen der Kirche.
(Gesamte Reportage inklusive Bildmaterial auf Anfrage)
Unterwegs im Land des "Goldenen Vlies"
Entlang der "Georgischen Heerstraße" trifft man leicht mit Menschen und Mythen zusammen
Ein Reiseessay von Daniela Haußmann
Die uralte, georgische Kulturlandschaft zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer ist ein Geheimtipp für kulturelle Entdeckungsreisen. Die kaukasischen Berge bilden die majestätische Kulisse einer atemberaubenden Landschaft, die seit tausenden von Jahren die Heimat unterschiedlichster Völker ist. Die "Georgische Heerstraße" führt mitten über die Berge des Gebirges bis zur Hauptstadt Tiflis. Auch heute noch ist die legendäre Straße mit ihren Mythen eine Entdeckung für jeden Reisenden, der den Weg auf sich nimmt.
(Gesamter Essay inklusive Bildmaterial auf Anfrage)
Das Leiden der Georgierinnen
Frauenrechte werden im Kaukasus oft mit Füßen getreten
Ein Bericht von Daniela Haußmann
Georgien ist zwei Jahre nach der Rosenrevolution im Umbruch. An der Situation der Frauen hat sich bisher nicht viel geändert. In der kaukasischen Männergesellschaft haben sie es schwer. Erkundungen in der Hauptstadt Tiflis.
(Gesamte Reportage inklusive Bildmaterial auf Anfrage)
Wie schön Panama wirklich ist
Die Panamericana zählt zu den Traumstraßen dieser Welt - Ihre Route kreuzt eine der vielfältigsten Kulturlandschaften
Ein Reiseessay von Daniela Haußmann
Zu oft schon wurde der Tango für tot erklärt, als dass an seiner Lebendigkeit noch zu zweifeln wäre. Bis heute verrät kein anderes Phänomen so viel über die Kultur Panamas wie dieses Musikdrama. Zu fortgeschrittener Stunde sind die Straßen und Gassen unweit der Lokale erfüllt von den Klängen der Musik zu jenem Tanz, bei dem sich Körper und Beine der Partner abrupt umschlingen, aggressiv und zärtlich zugleich. Melancholisch im Rhythmus und sentimental in den Texten wurde er zum traurigen Gedanken den man tanzen kann. Enttäuscht in den Erwartungen und zugleich getragen von der fortwährenden Hoffnung auf ein neues Leben, auf eine Besserung der Verhältnisse in einer neuen Welt von Freiheit und Aufbruch, wurde er für viele Einwanderer zum Ventil ihrer Wünsche und Erwartungen. Panama ist ein Schmelztigel. Ein Sammelsurium verschiedenster Ethnien, die sich am südlichen Ende Zentralamerikas, zusammengefunden haben.
(Gesamter Essay inklusive Bildmaterial auf Anfrage)
Sommerliche Frühjahrshitze mit Folgen
Landwirte hoffen auf ein Ende der Wetterextreme
Ein Bericht von Daniela Haußmann
Die Aprilhitze hatte es in sich. Für Temperatur, Trockenheit und Sonnenscheindauer hat der vergangene Monat neue Höchstmarken gesetzt. Für Landwirte ist das ein Alptraum. Auf den Feldern geraten wegen fehlender Niederschläge zahlreiche Pflanzen unter Hitzestress. Klimarechnungen zufolge werden die Sommer immer trockener.
"Künftig ist damit zu rechnen, dass es richtige Trockenphasen geben wird, wie wir sie in diesem Jahr schon erleben", erklärt Professor Christoph Kottmeier vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung der Universität Karlsruhe. Durch diese sommerlichen Dürrephasen könnten Land- und Forstwirtschaft künftig verstärkt unter Druck geraten. "Im Jahr 2003 konnte man erleben, dass Waldbestände durch Trockenheit und Schädlingsbefall geschädigt wurden", so der Experte weiter. "Die Bauern verzeichneten erhebliche Ernteeinbußen." Ein Umstand, der Fachleute schon jetzt prognostizieren lässt, dass die Preise für Agrarprodukte auch in diesem Jahr erneut steigen werden.
(Gesamter Bericht inklusive Bildmaterial auf Anfrage)
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